[Robespierre] Corona und der Klassenkampf

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18.3.
Corona enthüllt die Irrationalität des Kapitalismus.
Es hat sich klammheimlich bis weit in die Mitte dieses Landes ein ungutes Gefühl breitgemacht, ein leiser Zweifel an der Unendlichkeit und Allmacht des Marktes, im Angesicht von Corona. Während zeitgleich mit der Seuche, eine der vermutlich schlimmsten Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte beginnt –einer Krise, die uns noch lange, nachdem Corona überstanden ist, beschäftigen wird- anbricht, zeigt sich, dass der Kapitalismus auf Sand gebaut ist.
Ökonomen und neoliberale Politiker labern von der Rationalität des Marktes. Wie vernünftig der Markt ist, kann jeder besehen, der die leergehamsterten Supermärkte bestaunt.
Neoliberale Thinktanks setzten erfolgreich die Privatisierung des Gesundheitssektors durch. Wie effizient das ist, erleben wir nun. Unsere Alten und Schwachen müssen darunter leiden. Werden daran sterben.
Der Markt regelt alles, erklärt man uns. Und Trump versucht, sich den Impfstoff zu sichern, während Menschen, die es wagten, medizinisches Gerät im 3D-Drucker zu drucken, mit Klagen bedroht werden. Sie verletzten geistiges Eigentum.
Man könnte vieles mehr nennen. Das Krisenmanagement der neoliberalen Demokratien –Genosse Alain Badiou nennt sie kapitaloparlamentarische Systeme- enthüllt, dass diese Ordnung sich nicht um unser Leben schert. Der Sozialdarwinismus, dazu morgen mehr, ist zu einer ganz offen ausgesprochenen Ideologie der Regierungen in Europa und den USA  geworden.  Und so sehen wir dem Tod der Armen, Alten und Schwachen entgegen, sehen zu, wie Italien alleine gelassen wird, während die sozialistischen Staaten, die es noch gibt, während Cuba, China und Vietnam ihren Bürgern und Menschen auf der ganzen Welt helfen.
Viele meiner Freunde in meinen social media Blasen, die meisten von ihnen akademische Kleinbürger, die vor Monaten für den Kommunismus nur Spott übrig hatten, und es für einen Akt des Widerstands hielten, grün zu wählen, wachen, so scheint es mir, recht verwundert in dieser neuen Realität auf. Teile der jungen Intelligenz dieser Republik muss gerade erfahren, was wir Kommunisten schon immer wussten und was für die Ärmsten, für diejenigen, die den Wohlstand dieser Gesellschaft schaffen, die Arbeiter, alltägliche Realität ist: Der Kapitalismus tötet.
Man hat den Eindruck: Wie ein Schock kommt über alle diese Erkenntnis. Und so geistern erstaunlich viele Beiträge durchs Netz, die in irgendeiner undeutlichen Form das System kritisieren. Doch im Moment des Schockiertseins, fehlt ihnen jeder Begriff. Ja, ein und dieselbe Person kann unter Umständen die autoritären Maßnahmen Macrons feiern und zugleich die Privatisierung der Krankenhausindustrie angreifen, es gibt Beiträge, die im selben Atemzug social distancing als moralischen Wert vom Individuum fordern, und zugleich die Marktwirtschaft abzuschaffen fordern. Und so weiter und so fort.

Im Moment des Schocks fehlt es an Analysen und Begriffen.
Daher werde ich es die nächsten Tage unternehmen, grundlegende Begriffe und Ansätze des Marxismus im Hinblick auf Corona zu erklären. Ich werde dabei versuchen, auf allzu verkünstelte Sprache zu verzichten und Grundlegendes konkret an unserer Situation erklären.
Fürs erste möchte ich aber einige basale Fragen aufwerfen, die in meinen Augen in der gegenwärtigen Debatte fehlen:
-          Wie kann es sein, dass social distancing sich nicht auf den Arbeitsplatz erstreckt? Versammlungen werden verboten, Grundrechte außer Kraft gesetzt, Feiern unterbunden, aber nach wie vor müssen ArbeiterInnen dichtgedrängt in Werkshallen?
-          Wieso werden in Zeiten der Quarantäne Menschen weiterhin aus ihren Wohnungen geworfen? Warum gibt es noch Zwangsräumungen?
-          Wieso organisiert der Staat keine Hilfsprogramme für alte Menschen, die alleine leben? Warum lässt er Alleinerziehende alleine?
-          Wieso werden Milliarden in kaputte Unternehmen und Banken gepumpt, aber kein cent zur Verbesserung der Sozialsysteme?
-          Was passiert mit den Millionen Menschen ohne Unterkunft in Deutschland? Mit den Geflüchteten? Den Menschen in Wohnheimen? Den Drogenkranken? Wie sollen all diese Menschen sich von anderen isolieren?
-          Wer wird die Kosten für die Krise zahlen, die nun kommt? Was passiert mit den Arbeitern, die nun keinen Job mehr haben werden?
-          Warum leisten sich die Staaten keine Hilfe? Warum bekommt Venezuela keine Kredite? Warum interessiert sich niemand für Cubas antivirale Medikamente?
-          Warum finden nach wie vor Abschiebungen statt?
Warum lastet man dem Individuum Schutzmaßnahmen auf, während Unternehmer in aller Ruhe weiter die Produktion laufen lassen und sich selbst in Schutzbunker absetzen?

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