[Robespierre] Der Markt regelt? Nicht! Gedanken zur Planwirtschaft
Der Kapitalismus ist das beste
aller Systeme, der Markt regelt alles. In freiem Austausch treffen sich die
Bedürfnisse von Käufern und Verkäufern. Gibt es für ein Gut eine hohe
Nachfrage, steigt der Preis, es wird
also interessant, für Verkäufer, mehr von diesem Gut zu produzieren.
Dadurch erhöht sich wiederum das Angebot, der Preis pendelt sich wieder ein.
Auf diese Weise stellt der Markt sicher, dass stets alle Güter und Dienstleistungen
vorhanden und zugänglich sind. Die innere Funktionsweise des Marktes stellt die
optimale Versorgung aller Marktteilnehmer sicher. Die „unsichtbare Hand“ des
Marktes regelt.
Dies berührt ein altes Argument: Nach
dem Sieg der Kommunisten 1917 erklären marktradikale Theoretiker, wie
beispielsweise Ludwig von Mieses oder der bekanntere Friedrich von Hayek, es
sei unmöglich den Markt abzuschaffen. Denn, so das Argument, der Markt
funktioniert als Informationsprozessor: All die verschiedenen Bedürfnisse, die
Nachfrage, werden durch die Marktmechanismen zusammen gebracht und mit dem
Angebot, der Produktion verschalten. Der Staat (oder eine andere, zentrale
Instanz) ist, so argumentiert Hayek, der der Chefideologe des Neoliberalismus
und ein übler Rechtsradikaler war, nicht in der Lage, dies zu leisten. Es gäbe
viel zu viele Einzelinformationen, einzelne Waren, Produkte,
Produktionsschritte, verschiedenartige Bedürfnisse und individuelle Interessen,
dass nichts und niemand diese Masse an
Informationen verwalten könne. Der freie Markt aber, aufgrund seiner Struktur,
wäre dazu in der Lage. Eben weil es hier keine planende Instanz gibt, sondern
alle Marktteilnehmer frei interagieren, werden hier alle Informationen
gebündelt und perfekt prozessiert. Jede Nachfrage findet ihr passendes Angebot.
Wie gut das funktioniert, sehen
wir in der jetzt, in der Corona-Krise.
Einige Beispiele:
- Deutsche Krankenhäuser und Arztpraxen
gehen die Atemschutzmasken aus. Der Grund? Es war unwirtschaftlich, genügend
vorrätig zu halten. Aber zum Glück regelt der Markt, erwartungsgemäß: Die
Preise von Atemschutzmasken explodieren um 30%. Die erhöhte Nachfrage,
regt, ganz wie unsere neoliberalen Wirtschaftsexperten uns wissen lassen, die
Produktion an und macht kreativ: Die Firma Dieckhoff-Textil hat 1, 5 MillionenBestellungen für Atemmasken. Leider findet die Produktion von
Atemschutzmasken vor allem in China
statt. Dort ist es billiger, der Profit ist höher. Daher dauert es eine Weile,
bis man die Aufträge erfüllen kann. Unterdessen schneidern sich halt
Krankenhausangestellte Schutzkleidung selbst. Kapitalismus macht halt innovativ.
- Hervorragend regelt der Markt
auch die Nachfrage nach Toilettenpapier und Desinfektionsmittel. Jeder, der
einen Supermarkt in Deutschland betritt, sieht dies sofort: Gähnend leere
Regale, dort wo Toilettenpapier mal war. So gut funktioniert die
Marktwirtschaft, dass man uns schon Ratschläge gibt, wie man
Desinfektionsmittel selbst herstellt oder wie angenehmen es doch sei, sich
den Arsch mit der Hand auszuwischen.
-Ein letztes Beispiel, warum der
Kapitalismus das vernünftigste aller Systeme ist: Da gibt es eine Firma, die auf dem Weg ist, einen Impfstoff gegen Corona herzustellen. Ein Gut, das im
Grunde die gesamte Menschheit derzeit verlangt. Und wie reagiert man im
Kapitalismus, dem besten aller Systeme darauf? Die USA versuchen, zum Wohle der
eigenen Wirtschaft, den Hersteller aufzukaufen und die Forschung in die Staaten
zu verlegen – ein Plan, der nur misslingt, weil ein deutscher Großkapitalistdie Firma nicht verkaufen will.
Man könnte lange und mit
derselben bitteren Ironie weitermachen.
Die Realität der Corona-Krise (in
der, ganz nebenbei, die Börsen schlimmer gecrasht sind als 1929- man darf sich
schon drauf einstellen, dass Ersparnisse und Renten verloren sind) zeigt uns
wie in einem Brennglas, dass der Kapitalismus nicht funktioniert.
Ich erinnere mich noch an meinen
Wirtschaftsunterricht in der Schule. Ein behäbiger Lehrer zeigte Bilder leerer
Regale und Schlangestehender Menschen in der DDR. „Das ist Sozialismus:
Mangelwirtschaft, leere Regale. Selbst die Grundversorgung funktioniert nicht, man
muss alles schwarz einkaufen.“
Unserer Supermärkte im gelobten
Land der freien Marktwirtschaft sind heute mindestens so leer, wie auf den
Bildern meines Wirtschaftslehrers. Toilettenpapier ist nicht zu bekommen, Pasta
und Mehl Mangelware. Und mehr: Selbst unsere Gesundheitsversorgung funktioniert
nicht. Schutzbekleidung fehlt und das kaputtgesparte und privatisierte Krankenhauswesen
– gerne erinnern wir uns an den Vorschlag der neoliberalen Bertelsmann-Stiftung,
die Hälfte aller Krankenhäuser aus Effizienzgründen (Read: um den Profit zu
steigern) zusammenzustreichen. -
kann, wenn es zum Schlimmsten kommt, unsere Versorgung nicht mehr
sicherstellen. Das Gerede von der Effizienz des Kapitalismus und der
Selbstregulation des Marktes erweist sich als Lüge, als pure Propaganda. Wir leben,
wie den Milliardenheer der Ausgebeuteten dieser Erde und uns Kommunisten schon
immer klar war, in einer kapitalistischen
Mangelwirtschaft.
Und während wir uns in Europa,
als wäre ein dystopischer Film wahr geworden, um die letzten Packungen
Toilettenpapier prügeln, was machen die bösen sozialistischen Staaten, diese
Höllen auf Erden?
China, ein Land das sicher und
wie chinesische Kommunisten selbst zu geben, keinen voll-entwickelten
Sozialismus hat, errichtet innerhalb weniger Tage Notfallkrankenhäuser uns
besiegt defacto Corona. Vietnam führt Massentests durch, um Corona in Schach zu
halten – ein Vorgehen, zu dem Deutschland, eines der reichsten Länder der Welt,
unfähig ist. Und Kuba, ein isolierter Inselstaat, der von den USA durch Sanktionen gemobbt wird, stellt nicht
nur in Windeseile die Produktion auf medizinische Produkte um, sondern
entsendet unkompliziert und schnell Hilfe in ärmere Staaten mit
unterentwickelten Gesundheitssystemen, wie Jamaika, Haiti oder Italien.
Nun will ich im Einzelnen nicht
für die konkreten Modelle diese Staaten werben. Es gibt dazu viel zu sagen, und
keinesfalls ist dort alles perfekt. Aber, wir können unter dem Eindruck von
Corona dennoch eines feststellen: Selbst ein nicht perfekter Sozialismus,
selbst ein Sozialismus unter schwierigsten Bedingungen, wie auf Kuba, ist
tendenziell besser in der Lage, die Versorgung sicherzustellen, als der freie
Markt.
Dies scheinen selbst bürgerliche
Politiker in kapitalistischen Ländern begriffen zu haben: Was noch vor wenigen
Monaten undenkbar schien, wird nun beinahe unkommentiert Wirklichkeit. Die
Regierung greift in die Wirtschaft ein, Vorräte an Schutzausrüstung wird
beschlagnahmt, die Produktion, zum Beispiel von Autoteilen, auf Lebensnotwendigesumgestellt. Selbst der französische Präsident Macron, ein Neoliberaler aus
dem Bilderbuch, fordert vorsichtig, dass die Gesundheitsversorgung nicht
privaten Profitinteressen dienen darf.
Natürlich geht es hier nicht um
die Abschaffung des Kapitalismus. Man sollte sich nicht täuschen lassen: Es
zeichnet sich hier das Schreckgespenst eines autoritären Kapitalismus der
Elendsverwaltung ab, in der der Staat angesichts eines zusammenbrechenden
Marktes uns unter seiner Knute hält. Aber nichts desto weniger: Es zeigt sich
hier zugleich zumindest auch, im Ansatz, dass der Glaube an die Marktwirtschaft
zu Ende geht. Anders gesagt: Die Corona-Krise bringt die Argumente der
Marktradikalen zum Einsturz. Der Markt funktioniert nicht als ein Prozessor für
Informationen, er erfüllt seine angebliche Funktion nicht. Es wird daher Zeit, dass wir den Markt loswerden.
Die Kommunisten Paul Cockshot und Allin Cotrell zeigten schon
in den 1990er Jahren, dass mittels moderner Computertechnologie eine
sozialistische Planwirtschaft eine reale Möglichkeit ist. Mittels spezieller
Programme, die Cockshot immer weiter verfeinert, wäre es inzwischen leicht
möglich, ganze Volkswirtschaften selbst mit Heimcomputern zu steuern. Eine
Wirtschaft, die dem Wohle aller und nicht nur den Profitinteressen dient, ist
also technologisch möglich. Sie herzustellen bleibt eine politische Frage.
Diese Frage ist in Zeiten von
Corona drängend geworden. Natürlich ist die Einführung von Planwirtschaft nicht
gleichbedeutend mit der Abschaffung des Kapitalverhältnisses – dazu werde ich
demnächst schreiben- und es gibt die Gefahr eines autoritären und nationalen Staatskapitalismus,
wie er vielleicht reaktionären Politikern vorschwebt. Doch erweist sich in
unserer gegenwärtigen Situation in jedem Fall der Neoliberalismus als tödliche
Lüge, der freie Markt als eine gefährliche Illusion. Der Kapitalismus ist ein
zerstörtes System, das die natürlichen Lebensgrundlagen bedroht und nun ganz
konkret unser aller Leben in Gefahr bringt (wie er schon Jahr um Jahr
Abermillionen der Elendesten und Ärmsten der Welt verrecken lässt), die
Marktwirtschaft ein dysfunktionales System, das nicht einmal unsere
grundlegenden Bedürfnisse befriedigen kann.
An die Stelle der Lügenmärchen von der freien Wirtschaft und dem Markt als allein rationellem Prinzip, gilt es -und das ist die Idee des Sozialismus im Grunde- eine Form der Produktion zu stellen, in der im Interesse aller gewirtschaftet wird. Planwirtschaft im Sozialismus bedeutet genau dies: Es wird nicht auf ein mystisches Wesen namens Markt vertraut, sondern man entscheidet politisch (und, das muss besser werden als im Sozialismus im 20. Jahrhundert) transparent, was und wie gewirtschaftet wird, um die Versorgung aller zu gewährleisten. Mit Vernunft, in Debatten und Diskussionen und unter Beteiligung aller (und unter der Berücksichtigung der Interessen aller) soll die Wirtschaft nach einem gemeinsamen Plan organisiert werden mit dem Ziel, das gemeinsame Leben und die Gesellschaft zu verschönern und voranzubringen. An die Stelle der Anarchie des Marktes würde so eine universalistische Vernunft treten.
Dies sollte unser Ziel und unsere Lehre aus Corona sein: Wir müssen aus dem kapitalistischen Albtraum entkommen. Wir sollten nicht länger der Quasi-Religionen des freien Marktes folgen, sondern an die Stelle von kapitalistischer Mangelwirtschaft und dem anarchischen Markt gilt es ein menschenwürdiges System durchzusetzen: Sozialismus und Planwirtschaft!
An die Stelle der Lügenmärchen von der freien Wirtschaft und dem Markt als allein rationellem Prinzip, gilt es -und das ist die Idee des Sozialismus im Grunde- eine Form der Produktion zu stellen, in der im Interesse aller gewirtschaftet wird. Planwirtschaft im Sozialismus bedeutet genau dies: Es wird nicht auf ein mystisches Wesen namens Markt vertraut, sondern man entscheidet politisch (und, das muss besser werden als im Sozialismus im 20. Jahrhundert) transparent, was und wie gewirtschaftet wird, um die Versorgung aller zu gewährleisten. Mit Vernunft, in Debatten und Diskussionen und unter Beteiligung aller (und unter der Berücksichtigung der Interessen aller) soll die Wirtschaft nach einem gemeinsamen Plan organisiert werden mit dem Ziel, das gemeinsame Leben und die Gesellschaft zu verschönern und voranzubringen. An die Stelle der Anarchie des Marktes würde so eine universalistische Vernunft treten.
Dies sollte unser Ziel und unsere Lehre aus Corona sein: Wir müssen aus dem kapitalistischen Albtraum entkommen. Wir sollten nicht länger der Quasi-Religionen des freien Marktes folgen, sondern an die Stelle von kapitalistischer Mangelwirtschaft und dem anarchischen Markt gilt es ein menschenwürdiges System durchzusetzen: Sozialismus und Planwirtschaft!
Nie wieder freier Markt!
-
-
Kommentare
Kommentar veröffentlichen